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Re: Erwachen in Newgateshire

BeitragVerfasst: 21.04.2008, 01:52
von Judith
Auch Lavinia setzt sich wieder.
Nicht du selbst hast dich verändert. Nur deine Wahrnehmung ist eine Andere geworden.

Verfasst: 21.04.2008, 01:52
von Anzeige

Re: Erwachen in Newgateshire

BeitragVerfasst: 21.04.2008, 02:00
von Kiyama
"Deswegen reagieren die anderen Menschn auch normal auf mich."
Sie führt die Gabel recht umständlich zum Mund.
"Aber nicht jeder Mensch, sondern nur Kithain sehen uns so, richtig?"
Was sie auf das Esswerkzeug geladen hat, ist schon wieder heruntergefallen.

Re: Erwachen in Newgateshire

BeitragVerfasst: 21.04.2008, 02:05
von Judith
Du hast Recht, für gewöhnlich ist das so. Es gibt einige andere, die spüren können, was wir sind, doch das sind meist ebenfalls keine Menschen.

Re: Erwachen in Newgateshire

BeitragVerfasst: 21.04.2008, 02:14
von Kiyama
"Und Kojiros Schwester Miako? Weiß sie davon, was ihr Bruder ist? Warum spricht keiner davon zu den Menschen?"

Re: Erwachen in Newgateshire

BeitragVerfasst: 21.04.2008, 02:20
von Judith
Miako...
Lavinia schaut nachdenklich auf ihre Hände.
Sie weiss es. Aber wir glauben nicht, dass sie ein normaler Mensch ist... sie hat einige erstaunliche Fähigkeiten, die wir uns nicht erklären können.
Sie trinkt einen Schluck Milch und räuspert sich.
Würdest du es für eine gute Idee halten... den Menschen zu sagen, was wir sind?

Re: Erwachen in Newgateshire

BeitragVerfasst: 21.04.2008, 02:55
von Kiyama
"Nein, ich habe meinem Bruder und meiner Schwester auch ncihts davon erzählt. Ich denke nicht, dass sie es mir glauben würden. Und selbst wenn, die Öffentlichkeit ließe uns wohl kaummehr in Ruhe, oder? Versuche und Tests wären an der Tagesordnung."
Sie isst wieder etwas und sieht schmunzelnd zu Fjell rüber.
"Und die Mädchen würden sich massenhaft süße, plüschige Freunde wünschen."

Re: Erwachen in Newgateshire

BeitragVerfasst: 21.04.2008, 03:03
von Judith
Fjell lächelt schwach, wackelt aber trotzdem kurz mit den Ohren, um ihre Bemerkung zu unterstreichen.
Tests wären wohl kaum ein Problem,
sagt Lavinia und lacht traurig.
Man würde einen Kithain, der öffentlich über das spricht, was er ist, wohl eher in psychiatrische Behandlung stecken. Es gibt Wege, den Menschen zu zeigen, was wir sind, doch es hat noch nie zum Guten geführt. Sie neigen dazu, alles zu hassen, dass sich von ihnen unterscheidet.

Re: Erwachen in Newgateshire

BeitragVerfasst: 21.04.2008, 03:10
von Kiyama
Sie beißt sich grinsend auf die Unterlippe bei Fjells Reaktion und vergisst ihr Essen kurzzeitig, ebenso wohl, dass Lavinia mit ihr spricht. Dann blinzelt sie kurz verwirrt und sieht wieder zu der Sidhe.
"Das stimmt wohl, nein, es wäre nicht gut, das zu zeigen, was wir sind. Aber, was sind Freistätte und was waren das für Augen gestern? Was hatte es mit dem Herz der..Erde?..zu tun. Wie nennt man die verschiedenen Kithain, was für Regeln gibt es und.."
Sie unterbricht sich und murmelt noch ein "Entschuldigung" hinterher.

Re: Erwachen in Newgateshire

BeitragVerfasst: 21.04.2008, 03:24
von Judith
Nein, ist schon in Ordnung. Du bist Hals über Kopf in diese Sache gestolpert, dass du Fragen hast, ich doch normal... entschuldige dich also nicht. Aber ich würde sagen, ich fange bei der Erklärung ein wenig früher an... indem ich dir erkläre, was wir überhaupt sind...
Sie lehnt sich ein wenig zurück.
Als die Welt noch jung war... und ich weiss, dass das pathetisch klingt -
Sie grinst
waren die Menschen überwältigt von der Welt, die sie umgab... sie konnten sich kaum etwas erklären, dass um sie herum geschah, doch sie hatten eines, was den meisten heute fehlt... sie hatten Glauben, Glauben und Phantasie. Das ist eine Macht, die heute oft unterschätzt wird... letzten Endes so mächtig, dass sie in der Lage war, uns Kithain zu erschaffen. Wir sind Traumkinder, geboren aus den Geschichten, die die Menschen sich erzählten, um sich die Geräusche im Wald, verschollene Seemänner, gerettete Wanderer, und das Flüstern des Windes zu erklären...
-Und natürlich das Zeug, dass am Abend noch da war und am nächsten Morgen nicht mehr,
wirft Fjell ein, er macht ein todernstes Gesicht dabei, aber in seinen Augen glitzert der Schalk.

Re: Erwachen in Newgateshire

BeitragVerfasst: 21.04.2008, 03:32
von Kiyama
Während sie zuhört, vergisst sie wieder, weiterzuessen. Mit neugierigem Blick hängt sie förmlich an ihren Lippen. Allmählich fällt mehr und mehr von ihrer Gabel, als sie sogar vergisst, diese gerade zu halten. Glücklicherweise befindet sich der Teller noch darunter.

Re: Erwachen in Newgateshire

BeitragVerfasst: 21.04.2008, 03:44
von Judith
Bald wurden die Kithain zu einem festen Bestandteil im Leben der Menschen, schön und schrecklich, freundlich und grausam... denn wie die Phantasie unserer Schöpfer hatten wir viele Gesichter. Wir brachten ihnen das Singen und Tanzen bei, die Poesie und das Träumen... doch eines lernten sie von ganz alleine - das töten.
Lavinias Gesicht verfinstert sich ein wenig.
Irgendwann, schon lange vor dem Mittelalter, begannen die Dinge sich zu ändern. Die Menschen stellten fest, dass man Eisen nicht nur zu Werkzeugen, sondern auch zu Mordwerkzeugen schmieden konnte. Sie begannen, Krieg zu führen, um an Macht und Einfluss zu kommen, überall auf dieser Welt... das war die Geburt einer anderen Welt, die nicht durch Träume bestimmt wurde, sondern nur von Kälte und Gier. Und es wurde schlimmer... denn dieses Eisen, so stellten sie fest, konnte auch uns verletzen. Die Zeit schritt voran, und bald brannten Feuer, in ihnen jene, denen man Kontakt mit uns und der Magie nachsagte... denn die Kirche hatte begonnen, den Glauben an Wunder zu töten, und sie alleine ihrem Gott zuzuschreiben. Für uns Traumkinder blieb immer weniger, an das wir uns halten konnten, denn das, was uns geboren hatte, brauchten wir auch zum überleben. Aber Phantasie wurde immer seltener... so selten, dass sie irgendwann ganz verschwand...
Sie hält inne und trinkt noch einen Schluck.

Re: Erwachen in Newgateshire

BeitragVerfasst: 21.04.2008, 03:52
von Kiyama
Langsam führt sie die Gabel zum Mund und schiebt sie hinein, nur um zu merken, dass sie gar kein Essen mehr geladen hatte.
"Und seither sehen sie uns nicht mehr?"
Vermutet sie blind. Aber ganz kann die Phantasie nicht verschwunden sein, es gibt ja noch welche von uns.

Re: Erwachen in Newgateshire

BeitragVerfasst: 21.04.2008, 04:05
von Judith
Im Prinzip ist das richtig. Aber die Geschichte ist länger... und ein wenig trauriger...
Sie setzt ihre Tasse ab.
Als die Phantasie der Menschen endgültig starb, fühlten wir Kithain, dass auch wir zum Tode verurteilt waren... die Angehörigen meines Kiths, die Sidhe, waren seit jeher die Herrscher der Kithain gewesen, und in diesen Stunden verhielten wir uns kaum sehr nobel...
Sie seufzt leise.
Du musst mir glauben, dass die meisten von uns nur Angst hatten... wir flohen, ohne darüber nachzudenken. Die Furcht vor dem Tod trieb uns zur Flucht, obwohl wir hätten bleiben müssen... ich schäme mich sehr dafür, es nicht getan zu haben. Doch einige wenige... verschlossen die Tore zu dem Reich, dass uns Schutz vor den Menschen bot. Als wir das merkten, war es zu spät... in dem Moment, wo die Pforten nach Arkadien, dem letzten Reich des Traums, verschlossen worden waren, waren wir für immer von der Welt der Menschen getrennt. Die Kithain, die zurückblieben, kämpften um ihr Überleben... seit diesen Tagen wurden ihre Seelen in menschliche, sterbliche Körper geboren, nur so konnten sie in dieser Welt bestehen. Lange Zeit blieb es so... bis die Menschen mit der Landung auf dem Mond plötzlich begriffen, dass ihre Welt auch jenseits der Grenzen ihres Verstandes noch weiterging...

Re: Erwachen in Newgateshire

BeitragVerfasst: 21.04.2008, 04:10
von Kiyama
Sie stochert etwas in dem Frühstück, während die weiter zuhört und auf ihrer Unterlippe herumkaut. Dann senkt sie den Blick, nickt langsam und schiebt das Essen hin und her.
"Wir sind also nur Abbilder von dem, was wir hätten sein können."

Re: Erwachen in Newgateshire

BeitragVerfasst: 21.04.2008, 04:22
von Judith
Sie denkt etwas über Kiyamas Worte nach.
Abbilder... ich weiß nicht, ob man es so nennen könnte. Vielleicht ist es eher so, dass wir Grenzen haben, die vorher nicht vorhanden waren.