"...Wer hat das getan?" Er will einen Schritt auf sie zugehen, stockt dann aber und bleibt stehen, um zu dem Kind zu sehen, das ihn mit beiden Händen am Mantel festhält. "Das ist so typisch..."
"In dieser Stadt wagt es keiner, einen von uns auch nur schief anzusehen..." Er wirkt verbissen, verstummt aber schnell, als das Kind vehement den kopf schüttelt.
"Oh, aber das ist auch nicht so wichtig. Ich dachte mir, ich könnte euch beiden vielleicht noch etwas zu trinken anbieten. Heute nicht mehr, morgen vielleicht - immerhin dürft ihr hier nicht jagen, wenn ihr euch nicht gemeldet habt."
"Du bist noch jung. Das merkt man. Die meisten denken, sie können dem Tier widerstehen, wenn sie sich nicht von Menschen ernähren und stattdessen Tiere nehmen. Aber der Hunger wird größer - gerade dein Hunger muss groß sein, und die Menschen leiden nicht darunter. Im Gegenteil. Sie genießen den Moment, sind danach ein wenig benommen, aber das gibt sich wieder und du kannst für ein paar Stunden dem hunger trotzen, der dich sonst irgendwann zu Verzweiflungstaten treibt."
"Aber bisher ging es doch auch..." Er erzählt ihr nichts, was sie nicht selbst schon einmal gedacht hat, das ist ihr anzusehen. Aber etwas, dass sie nicht akzeptieren will.
"Bevor dein Hunger zu groß ist, solltest du lernen, einem Menschen nur soviel Blut zu nehmen, wie er verkraftet. Wenn du zu lange wartest, wird er sterben, zwar friedlich, aber er ist wirklich keine schöne Erfahrung."